Frank Elstner und die schwule Mandy

13.02.2011 |

Frank Elstner war Barry Manilows „Mandy“ immer zu „schwul“, wie er sagt. Kai Pflaume, in dessen Show „Das StarQuiz“ am Donnerstag Abend diese Perlen der der Weisheit vor die raunende Zuschauerschaft geworfen wurden, fand hingegen Frank Elstners rosafarbene Krawatte „schwul“.

Weder das Lied „Mandy“ noch die Farbe der Krawatte rekurrieren auf Homosexualität, weder Kai Pflaume noch Frank Elstner benutzten die Wendung „schwul“ als positive Charakterisierung ihres jeweiligen Sachverhalts. Als Ausdruck einer neuen und zumeist unreflektiert gebrauchten Homophobie wird das „Schwule“ im Mund der beiden altbekannten Fernsehgestalten zum Spiegel eines gesellschaftlichen Problems. Ob Frank Elstner sensibler auf das Fehlen eines Auges oder Kai Pflaume auf die Abwesenheit eines Fingergliedes als „schwule“ Eigenschaft reagieren würden ist fraglich. Wahrscheinlich nicht, denn die Konnotation zum homosexuellen bleibt und wird so zum Abwertungsmechanismus.

Das Wort schwul ist in seiner Dimension als Schimpfwort schon lange kein Phänomen der Jugendsprache mehr. Nicht etwa weil es jetzt auch von einem vergreisten Frank Elstner gebraucht wird, sondern weil die gruppenspezifische Abgrenzungsfunktion nicht mehr in ihrer Spezifik gegeben ist. Abgegrenzt wird gegen das als „schwul“ Wahrgenommene.

Während nun die Sprachpfleger auf der Jagd nach Anglizismen sind und lieber jene Anprangern, die es wagen, solche öffentlich auszusprechen, könnte man vielleicht darüber nachdenken, ob es nicht Wichtigeres gibt, was es an unseren Redeweisen zu pflegen gäbe.

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